Unter der Hydrotherapie sind Behandlungen mit Wasser zu verstehen. Wasserbehandlungen sind seit Jahrtausenden ein Bestandteil der Badekultur, denn bereits die Griechen glaubten, dass Wasser eine Heilkraft besitzt. Die Römer bauten öffentliche Bäder, die sich zu Erholungs- und Gesellschaftszentren entwickelten.
Als Vater der Hydrotherapie gilt der römische Ehrenbürger Antonius Musa, der 23 v. Chr. den Kaiser Augustus mit kalten Bädern geheilt haben soll. Im 15. Jahrhundert wurde der Ruf der Hydrotherapie sehr geschädigt, da in dieser Zeit angenommen wurde, dass Infektionskrankheiten über das Wasser übertragen werden. Die Hydrotherapie lebte im 18. Jahrhundert wieder auf, wobei in Deutschland der Arzt Siegmund Hahn und dessen Sohn Johann Siegmund Hahn sowie Sebastian Kneipp zu den tatsächlichen Begründern der Wassertherapie zählen.
Damals hatte Kneipp Kaltwasserbehandlungen erfolgreich an sich selbst getestet. So stieg er, um seine Tuberkulose zu behandeln, täglich in die eiskalte Donau. Dieses Bad ergänzte er durch die Pflanzenheilkunde. Der Durchbruch der Hydrotherapie erfolgte durch Karl Friedrich Runge und Wilhelm Winternitz, die Wasser-Heilanstalten in Nassau, Österreich-Ungarn und Wien unterhielten. Bei der Hydrotherapie wird Wasser methodisch zur Behandlung von akuten oder chronischen Beschwerden verwendet. Zudem stabilisiert diese Therapie die Körperfunktionen und kann als Vorbeugung, Rehabilitation und Regeneration eingesetzt werden.
Der Temperaturreiz des Wassers, der Druck oder der Auftrieb wird hierbei als therapeutischer Reiz ausgenutzt. Verwendet wird das Wasser in allen drei Aggregatzuständen – Eis, kaltes/temperiertes/warmes Wasser und Dampf. Verwendet wird es in Formen von Waschungen, Wickeln, Auflagen und Kompressionen sowie Packungen, Güssen, Bäder (Teil- oder Vollbäder) mit oder auch ohne Zusätze sowie Sauna und Dampfbäder. Die Möglichkeiten der Behandlungsmethoden sind sehr vielfältig, wobei wohl das Wassertreten, bei dem der Patient in einem Becken mit kniehohem, kaltem Wasser watet, am Bekanntesten ist.
Auch die kneippschen Güsse, bei dem ein Wasserstrahl gezielt auf Arme, Beine, Rücken, Gesicht oder den ganzen Körper des stehenden Patienten gerichtet wird, sind sehr bekannt. Bei Druckstrahl- oder Blitzgüssen wird ein Wasserstrahl mit mittlerem oder starkem Druck bis 3 bar auf den Körper gerichtet. Bei Wickeln oder Packungen wird ein feuchtes Innentuch auf einzelne Körperstellen oder mehr als 50% der Körperoberfläche gelegt und mit einem trockenen Innen- und Außentuch abgedeckt. Die Abreibung wird eingesetzt, um die Durchblutung anzuregen. Hierbei wird ein feuchtes Tuch auf den betroffenen Körperteil gelegt und mit der Hand gerieben.
Bei einem Bewegungsbad werden im Wasser gymnastische Übungen durchgeführt. Eingesetzt wird diese Therapieform bei Wirbelsäulenerkrankungen oder auch bei Frakturen. Das kalte Wasser bei den Behandlungsmethoden bewirkt eine lokale Verengung der Hautgefäße und im Folgenden eine Gefäßerweiterung. Eine weitere Folge von Kaltwasserbehandlungen ist eine generelle Kreislauf- und Atemanregung. Die Anwendung von warmem Wasser hingegen führt zu einer Dilatation der Hautgefäße und einer verstärkten Durchblutung der Muskulatur.